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Berneck
05.08.2022

«Ein toller Beruf und ein toller Ort»

Pfarrerin Manuela Schäfer war zwölf Jahre in Berneck tätig
Pfarrerin Manuela Schäfer war zwölf Jahre in Berneck tätig Bild: Ulrike Huber
Pfarrerin Manuela Schäfer verlässt nach zwölf Jahren ihre Bernecker Kirchgemeinde und wechselt nach Uster. Gelegenheit, auf diese zwölf Jahre zurückzublicken und einen Blick in die Zukunft der Seelsorgerin zu werfen.

«Als ich mich vor gut zwölf Jahren in Berneck beworben und mich vorgestellt habe, habe ich gleich gespürt, das passt», erzählt die im Oktober aus Berneck scheidende Pfarrerin Manuela Schäfer im Gespräch mit rheintal24. «Es war meine erste Stelle als Seelsorgerin. Damals kam ich als frisch Ausgebildete im Alter von 31 Jahren. Der Einstieg wurde mir leicht gemacht. Es war auch kein Kulturschock, da meine Heimatgemeinde ähnliche Strukturen aufweist.»

«Familienstrukturen lerne ich heute noch»

Pfarrerin Manuel Schäfer ist schnell angekommen in Berneck. Schnell angekommen bei ihren Gläubigen von der evangelisch-reformierten Kirche. Denn in diesem Beruf lernt man gleich die privaten Beziehungen, ist bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen dabei. «Bis man alles kennt, muss man einmal den Jahreskreis durchlaufen. Obwohl, alles weiss ich bis heute nicht, die Familienstrukturen lerne ich heute noch», schmunzelt die Seelsorgerin.

Die verpflichtiende Probezeit von zwei Jahren war der Grund dafür, dass ihr Gatte erst nach Ablauf derselben nach Berneck nachgekommen war. «Bis dahin mussten wir pendeln.» An ihrer nächsten Station als Pfarrerin in Uster ZH muss sie keine Probezeit mehr ableisten, da sie inzwischen die Schweizer Staatsbürgerschaft erwerben konnte: «Wir wurden beide eingebürgert und sind sehr stolz, Schweizer zu sein. Das freut uns riesig.»

Richtiger Dorfpfarrer

Sie freut sich auch immer noch über die Tatsache, dass sie als Pfarrerin in Berneck ordiniert wurde. «Das ist schon ein toller Beruf und ein toller Ort mit tollen Menschen. Sonst hätte ich es nicht so lange ausgehalten. Aber ein Wechsel des Pfarrers so etwa alle sieben bis zehn Jahre scheint ja in Berneck normal zu sein.» Hier sei man so ein richtiger «Dorfpfarrer», eine Ansprechperson für alle.

Die Kirche der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde in Berneck Bild: Ulrike Huber

Was sie besonders an den Berneckern geschätzt habe, sei deren Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit. Was ihr aber doch anfangs etwas schwergefallen sei, sei es gewesen, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. «Und ich schätze des auch, ab und zu für mich alleine zu sein, weil meine Tätigkeit insgesamt doch auch intensiv und manchmal schwer war.»

Ökumenische Zusammenarbeit

Was nicht selbstverständlich, aber in Berneck besonders intensiv gewesen sei, war die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. «Zum Glück konnte ich in enger Zusammenarbeit mit Dekan Josef Benz die gute Tradition der ökumenischen Ereignisse übernehmen. Jeder hat seinen eigenen Stil, aber es herrschte beidseitig grossen Respekt. Was ja wichtig ist, denn wir haben in Berneck viele konfessionell unterschiedliche Verheiratete.»

Das Bernecker evangelische Pfarrhaus, das für Manuela Schäfer und ihren Gatten über viele Jahre ihr Zuhause war Bild: Ulrike Huber

Eine starke Zusammenarbeit in ökumenischer Hinsicht gab es mit dem Heerbrugger Pastoralassistenten Reinhard Paulzen. Eine Zusammenarbeit voller gegenseitigen Vertrauens. Zuletzt sorgten die beiden als Pilgerduo anlässlich der Bundesfeier in Heerbrugg für viel Freude im Publikum. «Ja, das passte immer gut zusammen. Seine liebenswürdige gemütliche Art und mein Tempo. Ja, ich habe schon ein lachendes und ein weinendes Auge, wenn ich jetzt von Berneck weggehe», gibt die 42-Jährige ehrlich zu.

Zeit für eine neue Herausforderung

Aber warum wechselt sie dann nach Uster? «Es ist in meinem Alter ganz einfach noch einmal Zeit für einen beruflichen Wechsel, für eine neue Herausforderung. Und Uster gefällt uns, ist eher Stadt als die beschauliche Gemeinde Berneck. Dort haben wir alles vor Ort, eine Mischung aus alter Industriestadt und ländlichen Ecken samt mehreren Seen. Ganz wichtig: Das Gefühl, dass alles passt, war auch in Uster gleich da. Es ist zwar ein Risiko und ich muss wieder ganz von vorne beginnen, aber ich habe einfach Vertrauen, dass sich vom Herrgott begleitet werde.»

 

Die offizielle Verabschiedung von Pfarrerin Manuela Schäfer wird anlässlich des Gottesdienstes am Bettag, dem 18. September. erfolgen.

rheintal24/gmh/uh