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Rebstein
13.05.2022
14.05.2022 20:29 Uhr

Bürogeplauder - vom Verkäufer zum Gemeindepräsidenten

Gemeindepräsident Andreas Eggenberger: «Ich liebe die Musik»
Gemeindepräsident Andreas Eggenberger: «Ich liebe die Musik» Bild: Ulrike Huber
Rheintal24 spricht in unregelmässigen Abständen unter dem Titel «Bürogeplauder» mit den wichtigen Persönlichkeiten des Rheintals. So auch mit Andreas Eggenberger, dem bis Ende dieses Jahres noch im Amt befindlichen Gemeindepräsidenten von Rebstein.

Andreas Eggenberger ist eine höchst interessante, in vielen Nuancen schillernde Persönlichkeit. Nicht nur ein eher konservativ daherkommender Gemeindepräsident von Rebstein, nicht nur ein glänzender und vielbeschäftigter Musiker, sondern auch noch ein ehemaliger Ringer und Schwinger. Dazu noch früherer Verkäufer von Autozubehörteilen und Präsident der Oberrheintaler FDP. Seit wann ist er eigentlich als Gemeindepräsident tätig?

«Meine erste Wahl ist jetzt auch schon fast 22 Jahre her. Denn im Herbst 2000 wurde ich zum Gemeindepräsidenten gewählt. Aber damals nicht in Rebstein, sondern in Eichberg, von wo ja anscheinend die Gemeindepräsidenten für Rebstein herkommen (lacht). Zuerst ich und jetzt hat ja unsere Findungskommission Alex Arnold, der derzeit in Eichberg das Gemeindeoberhaupt ist, für die Wahl im Herbst präsentiert.»

Das wohl nicht mehr ganz zeitgemässe Rathaus in Oberriet Bild: Ulrike Huber

Eggenberger hatte eine Berufskarriere eingeschlagen, in der anfangs nichts auf den Beruf als oberster Gemeindeverwalter hindeutete. Der mit vier Geschwistern auf einem zum Ortsteil Hinterforst gehörenden Bauernhof aufgewachsene Eichberger hat in seiner Zeit bei dem Traktoren- und Landmaschinenunternehmen Matzinger in Dübendorf im Verkauf gearbeitet sowie eine Weiterbeildung zum Betriebsökonomen berufsbegleitend abgeschlossen und dann nicht nur die Firma, sondern auch die Unternehmenssparte gewechselt.

«Ab 1986 arbeitete ich bei Möbel Pfister in St. Margrethen als jüngster Filialleiter der Schweiz und blieb dies auch bis Anfangs 1993. Im Jahre 1993 konnte ich den Auto-Shop Rheinpark erwerben und den auch leiten, gleich hinter dem Eingang links im Rheinpark. Mit viel Engagement entwickelte ich mit dem Team den Auto-Shop zu einer Marke im Rheintal. Später haben wir erkannt, dass zu einem Autozubehörladen auch eine Werkstatt gehört, in der die Teile sofort eingebaut werden können. Deshalb suchten wir einen neuen Standort, den wir im Mobby Dick in Balgach fanden. Zu dieser Zeit wurde ich in Eichberg als Gemeindepräsident gewählt und so suchte ich eine Nachfolgereglung, die ich im Personal auch fand.»

Andreas Eggenberger an seinem Arbeitsplatz Bild: Ulrike Huber

Die Tätigkeit in der Autobranche hat dem heutigen Rebsteiner Gemeindepräsidenten viele gute persönliche Kontakte beschert. Als Präsident des Marketingclubs Rheintal lernte er auch viele Unternehmerpersönlichkeiten aus dem süddeutschen Raum und aus Vorarlberg kennen. Und natürlich auch wichtige Leute aus der Schweiz, wie etwa den Seniorchef Hans Eggenberger der heutigen AMAG in Heerbrugg, oder Heidi Gmür von der Migros Ostschweiz, mit der er im Werbekomitee Rheinpark sass. Eggenberger war um die Milleniumswende auch Vertreter der Autopflegeserie B 2000 für die Schweiz und Liechtenstein und als solcher an vielen grossen Autoausstellungen und Messen präsent.

«Die gute Vernetzung hat sicher dazu beigetragen, dass ich schon 1996 zum Friedensrichter gewählt wurde und zwei Jahre später das Präsidium der FDP Oberrheintal übernehmen durfte. Bei den Kantonsratswahlen konnte ich nur wenige Jahre später auf Anhieb ein sensationelles Resultat einfahren. Und während meiner Zeit als Gemeindepräsident in Eichberg hat mich dann der Ruf für dasselbe Amt in Rebstein ereilt. Was genau passte, stammt doch meine Frau aus Rebstein.»

  • Andreas Eggenberger im Gespräch mit rheintal24 Bild: Ulrike Huber
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Wobei die guten Kontakte, die Andreas Eggenberger aus seiner Musikantentätigkeit und seinem früheren Sport, dem Ringen und Schwingen hatte, bei den Wahlen sicher nicht geschadet haben. Er ist im ganzen Rheintal und weit darüber hinaus bekannt als «Handörgeler» der «Nachtfalter» Combo, die mit ihrer oberkrainerisch angehauchten Volks- und Unterhaltungsmusik an den verschiedensten Anlässen aufspielt.

«Ja, ich liebe die Musik. Ich bin gerne lustig und mache mit den anderen mit. Etwa bei den Skiferien, wo wir die Instrumente zum Teil mit auf die Hütten genommen und dort gespielt haben. Ich erinnere mich, wie sich die Wirtsleute immer gefreut haben, wenn wir wiedergekommen sind. Und einmal war ein norwegischer Schiffskapitän dabei, der uns gleich auf eine zehntägige Kreuzfahrt eingeladen hat. Leider konnte ich das Angebot nicht annehmen. Aber ich höre auch gerne anderen Gruppen zu. Weshalb ich dieses Jahr wieder zur «Musikanten-WM» nach Schladming fahren werde. Nur als Zuhörer und Beobachter. 2013 und 2014 waren wir bei dieser WM und haben auf Hütten rund um den Veranstaltungsort aufgespielt. Das war ein wirkliches Highlight, die weltweit besten Gruppen aus der Oberkrainer-Szene zu hören.»

In Rebstein ist man derzeit mit der Zentrums- und Ortsplanung beschäftigt Bild: Ulrike Huber

Wie schon erwähnt, spielt der Musikliebhaber bei den «Nachtfaltern» auf dem Akkordeon. Also auf dem Schifferklavier oder der Quetschkommode, wie das immerhin dreizehn Kilo schwere Instrument auch liebevoll genannt wird. Da braucht man dann auch schon eine gehörige Portion Kondition. Die dem dieses Jahr noch 63 Jahr alt werdenden Musikant aber nicht abgeht.

«Meine Grundkondition habe ich mir wohl schon zu Schulzeiten geholt (lacht). Denn zur Schule in Eichberg hatte ich einen weiten Schulweg, der zu Fuss gegangen werden musste. Und seit meiner Sekundarschulzeit war ich dann auch Musikant. Daneben noch Sportler. Schwinger und Ringer beim RC Oberriet-Grabs, wo ich im Schwergewicht antrat und für mein Gewicht mit 82 kg relativ schnell und wendig war. Als Schwinger habe ich dann noch drei Kränze gewonnen, beim ersten war ich erst 19 Jahre alt. Mit 22 Jahren musste ich das Schwingen aber aufgeben, da ich mir zuerst das Handgelenk gebrochen und dann eine Schulterverletzung zugezogen hatte.»

Die grosse Leidenschaft des Gemeindepräsidenten ist das Musizieren mit den «Nachtfaltern» Bild: Ulrike Huber

Andreas Eggenberer hat sich auch als Gemeindepräsident immer mehr als Unternehmer und weniger als Verwalter gefühlt.

«Es geht im öffentlichen Dienst natürlich alles etwas langsamer, weil der Souverän mitredet. Aber meine Ausbildung und meine früheren Tätigkeiten sind mir in der Gemeindeverwaltung stets zugutegekommen. Und eines ist ganz wichtig: Du musst die Leute gerne haben, gerne mit ihnen zusammenarbeiten. Zu Beginn meiner Tätigkeit in Rebstein haben wir mit der ganzen Bevölkerung zusammen gleich einmal ein Leitbild erarbeitet. Damit man weiss, wohin die Reise geht.»

Besonders die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Marbach sei stets gut gewesen. Als erstes habe man die Oberstufe miteinander organisiert, dann die Feuerwehren zusammengeführt, dann das Betreibungswesen, die Bauverwaltung und schlussendlich die beiden Pfarrgemeinden der evangelischen Kirche vereint.

«Schliesslich hatten wir in beiden Gemeinden die Zustimmung bekommen, eine Vereinigung, also eine Gemeindefusion zu prüfen. 2018 ist es dann zur entscheidenden Abstimmung gekommen. Die Räbschter Bevölkerung sagte Ja. In Marbach hatten die Nein-Stimmen mit 58 Prozent leider die Mehrheit. Schade, dass es nicht funktioniert hat. Denn Marbach wäre Marbach geblieben, Rebstein wäre Rebstein geblieben. Aber unter gemeinsamer Verwaltung und Synergien, die vieles eingespart hätten. Wir in Rebstein schauen jetzt auf die Schwerpunkte Zentrumsentwicklung und die Ortsplanung. In verschiedenen Workshops holen wir die Bevölkerung ab, damit die Meinungen und die Feedbacks, die wir erhalten, am richtigen Ort einfliessen.»

Andreas Eggenberger schaut in jeder Hinsicht optimistisch in die Zukunft Bild: Ulrike Huber

Der am Ende des Jahres scheidende Gemeindepräsident achtet darauf, im Leben die richtige Balance zwischen Beruf und den anderen schönen Dingen zu finden. Wie Musik und Sport. Beim Biken, Skifahren oder Berggehen. Weshalb er sich auch den «dritten Lebensabschnitt» freut.

«Vielleicht kann ich dann auch viele neue Dinge ausprobieren. Seit 1986 war ich immer Chef, immer im Vorwärtsgang. Da ist es schön, irgendwann zu sagen, jetzt haben wir gute Leute, jetzt kann ich zurücktreten. Jetzt ist die ideale Zeit, um diesen Schritt zu gehen. Denn der Rat hat sich gut eingearbeitet. Denn wenn Gemeinderat und Präsident gleichzeitig wechseln, dann geht schon viel an Wissen verloren. Zurzeit funktioniert es sehr gut. Wir haben Rebstein den richtigen Schub verpasst und mehr Arbeitsplätze und eine gute Infrastruktur geschaffen. Unsere Aufgabe, nachhaltig und weit vorausschauend zu arbeiten, haben wir umgesetzt.»

rheintal24/gmh/uh