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24.11.2021

Walzenhausen diskutiert und entwirft die Zukunft

Es fanden rege, generationenübergreifende Diskussionen zum Thema «Walzenhausen 2035» statt.
Es fanden rege, generationenübergreifende Diskussionen zum Thema «Walzenhausen 2035» statt. Bild: pd
Gemeindepräsident Michael Litscher begrüsste unlängst rund siebzig Personen zum Workshop «Walzenhausen 2035» in der Mehrzweckanlage. Die Teilnehmenden diskutierten rege über die Zukunft der Gemeinde und sammelten Ideen unter der Moderation von Max Koch und Team von ecopol AG.

Michael Litscher: «Es ist sehr wertvoll, dass Sie heute hier sind und einen halben Tag für die Zukunft des Dorfes investierten, denn Gemeinderat und Kommissionen ist es ein Bedürfnis die Planung nicht alleine zu machen, sondern zusammen mit der Bevölkerung.» Die Jüngste im Raume sei 11 Jahre alt, die Ältesten gingen gegen die Achtzig zu. Das sei für dieses Vorhaben eine gute Diversität von Jugendlichen bis hin zu Walzenhauser Urgesteinen. Hier träfen sich zusammengezählt knapp 3000 Jahre Erfahrung.

Die Gemeinde wächst

Max Koch zeigte Daten und Fakten zur Gemeinde auf. Die Bevölkerung Walzenhausens wächst seit 2018 zum einen durch einen Geburtensaldo, zum anderen durch intrakantonale und internationale Zuwanderung, letztere vor allem aus Deutschland und Österreich. Gründe sind oft Liebe und Arbeitsstellen. Die Gemeinde bietet 820 Vollzeitstellen, was in etwa 1200 Arbeitnehmende ausmacht. Hauptsektoren sind Gesundheit und Grosshandel. Ein Drittel der Walzenhauserinnen und Walzenhauser pendeln aus der Gemeinde, ebenfalls ein Drittel kommt täglich von ausserhalb in die Gemeinde arbeiten. Haupttreiber für einen Wegzug sind Arbeitsstellen.

Walzenhausen verzeichnet ein relativ hohes Einkommen pro Steuerbürger und Steuerbürgerin, wobei die Jungen eher überdurchschnittlich verdienen. Koch sprach von normalen Steuerverhältnissen und einem Nettovermögen der Gemeinde, womit die Gemeindefinanzen im grünen Bereich lägen. Die Baulandpreise in Walzenhausen liegen leicht unter dem Schweizer Durchschnitt. Bekannt war, dass der Haupttreiber des Wegzugs Arbeitsstellen sind. Erstaunt nahmen die Anwesenden jedoch zur Kenntnis, dass rund siebzig Prozent der Bevölkerung in 1- oder 2-Personen-Haushalten wohnen.

Alles auf den Tisch bringen

Zur Planung der nächsten 15 Jahre gilt es zuerst die Aufgaben und Ziele zu definieren, danach die Strategie und schliesslich die Massnahmen zum Erreichen dieser. Pro Themenbereich – Leben, Finanzen/Führung, Infrastruktur, Bildung und Arbeit – stand ein mit Arbeitspapier tapezierter Tisch für jeweils 20 Minuten zur Verfügung, an welchem sich Zeit und Platz für Diskussionen fanden. Die daraus resultierenden Ideen, Anregungen und Notizen wurden direkt auf das Arbeitspapier notiert. Den Jugendlichen stand ein eigener Tisch zur Verfügung, ehe sie sich an den Gesprächen der Erwachsenen beteiligten. Es wurde rege diskutiert. Bald verschwand die weisse Tischtuch-Fläche zu Gunsten von Ideen und Wünschen.

Ideen, Wünsche und Projektvisionen füllten nach und nach die als Arbeitspapier tapezierten Tischtücher. Bild: pd

Begegnungsorte und Einkaufsmöglichkeiten

Nach drei Stunden fassten die einzelnen Gastgebenden an den Themenbereichs-Tischen, die vier Gemeindrätinnen und –räte sowie Mitglieder des Koch-Teams die Vorschläge in Kurzform zusammen. Gemeindepräsident Michael Litscher hatte sich im Turnus an jedem Tisch an den Diskussionen beteiligt. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Aufenthaltsorte, einen Pumptrack, Skatepark sowie mehr Einkaufsmöglichkeiten und einen Dönerstand. Das Leben allgemein betreffend wurde die Ruhe in der Natur gelobt. Auch hier kam der Wunsch nach Begegnungsräume für ein intensiveres Dorfleben und Einkaufsmöglichkeiten, im Besonderen auch für Familien auf.

Arbeitsformen und Kinderbetreuung

Die Aktivierung des Hotels Walzenhausen in anderen Formen sowie zukünftige Arbeitsformen standen im Mittelpunkt zum Thema Arbeit. Ebenso die Kinderbetreuung schon ab Kleinkindalter bis Schulschluss. Eine Idee war die Zusammenarbeit mit den grossen Arbeitgebern in der Gemeinde. Betreffend Schule wurde eine Ausweitung der Tagesstrukturen auch in den Schulferien gewünscht. Weil in der Gemeinde viele Arbeitsstellen für Frauen, beispielsweise in der Pflege und Betreuung bestehen, wäre eine gute Kinderbetreuung auch für Pendlerinnen attraktiv. Betreffend ÖV könnte ein zweiter Schulbus auch Personen per Abrufsystem transportieren.

Dorfzentrum für jedes Alter

Unter Infrastruktur kamen ebenfalls der ÖV mit Carsharing, Ruftaxi oder Bähnli auf Abruf zur Sprache. Wie in den Rubriken Jugendliche und Leben waren sich die Diskutierenden bezüglich Infrastruktur einig, dass es einen Begegnungsort für Menschen jeden Alters geben sollte. Vorschläge vom Kaffee bis zum Wochenmarkt kamen auf den Tisch. Ausserdem sollte die Attraktivität für Junge gesteigert werden. Zum Schluss zeigte sich im Thema Führung/Finanzen, dass der Steuersatz für die Anwesenden eher nebensächlich ist. Wichtiger werteten sie attraktiven Wohnraum für Jung und Alt.

Die kurzen Zusammenfassungen der einzelnen Themenkreise zum Schluss haben aufgezeigt, dass keiner für sich alleine gesehen werden kann, es gibt zu Hauf Berührungspunkte. Eine Vernetzung ist unumgänglich. Max Koch nannte es Knochenarbeit, die gesammelte Daten zusammentragen, mit der Vorarbeit des Gemeinderates synchronisieren und die Ergebnisse dann in einer gemeinsamen Sitzung weiter zu strukturieren.

pd/Isabelle Kürsteiner