Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Region
15.09.2021
16.09.2021 13:55 Uhr

Zertifikatspflicht: Vereinsfunktionäre als Hilfspolizisten?

Gemütliches Zusammensein in Vereinsheimen ist aktuell nur noch mit Zertifikat möglich
Gemütliches Zusammensein in Vereinsheimen ist aktuell nur noch mit Zertifikat möglich Bild: facebook.com
Die Ausweitung der Zertifikatspflicht ist auch für Vereine, die ein Clubheim mit Gastronomie betreiben, eine Herausforderung. Vereinsfunktionäre sind grundsätzlich in der Pflicht, Gäste und Mitglieder zu kontrollieren.

Der Ostschweizer Fussballverband hat seine Mitgliedsvereine dahingehend informiert, dass die 3G-Zertifikatspflicht zwar keine unmittelbare Auswirkung auf den Fussballbetrieb, aber sehr wohl auf die Vereinsstuben habe. Rheintal24 hat darüber berichtet.

Wie läuft das künftig in der Praxis? Werden sich beispielsweise ehrenamtliche Helfer jetzt impfen lassen, um sich weiter für ihren Verein engagieren zu können? Wird man Spielern, Trainern und Funktionären, die kein Zertifikat vorweisen können, den Zugang zum Clubheim tatsächlich verweigern? Und wie wird das kontrolliert?

Rheintal24 hat bei den Vereinen nachgefragt.

«Im Clubhaus auf der Rheinauen gilt 3G-Regel. Besucher wie auch unsere Helfer und Mitarbeiter müssen das Zertifikat vorweisen. Helfer und Mitarbeiter ohne Zertifikat unterstehen der Maskenpflicht. Die bei uns für die Umsetzung der Corona-Massnahmen verantwortliche Person ist aktuell noch an weiteren Abklärungen dran,» so Roman Müller, Präsident des FC Diepoldsau-Schmitter.

Auch der frischgebackene Präsident des FC St.Margrethen, Fredi Britt, hat sich mit der Thematik beschäftigt: «Die Vorgabe ist relativ klar. Besucher des Clubheims müssen sich mit einem Zertifikat ausweisen. Gleiches gilt für Helfer in der Küche oder beim Ausschank. Das wird kontrolliert. Verantwortlich für die Einhaltung der Vorgaben ist bei uns das Clubheim-Betreiber-Ehepaar.» Kritischer sieht Britt die Kontrolle. «Wir Funktionäre sind jetzt eine Art Hilf-Sheriffs und müssen Mitglieder, Besucher usw. entsprechend kontrollieren. Das ist nicht unproblematisch im Umfeld eines Vereins.»

St.Margrethen-Präsident Fredi Britt (rechts): Sieht die Umsetzung der Zertifikatspflicht in Vereinsheimen als Herausforderung. Bild: PD

Den FC Staad betrifft die Zertifikatspflicht aktuell noch nicht, wie Präsident Cornel Rüst erläutert: «Unser Clubhaus-Restaurant wird vorerst nicht geöffnet. Während des Sommers und Frühherbstes verpflegen wir Mitglieder und Zuschauer gerne am Kiosk und auf dem Vorplatz - also im Freien. Sobald es dann aber kälter wird und wir das Clubhaus-Restaurant offiziell öffnen, werden wir uns selbstredend an die Zertifikatspflicht halten - es werden sich also nur Helfer und Gäste mit Zertifikat im bedienten Restaurant befinden. Selbstverständlich werden wir dies auch kontrollieren.»

Rüst räumt ein, dass er die Impfquote bei den Helfern nicht im Detail kenne, aber den Eindruck habe, dass der Grossteil der Helfer geimpft sei. Und er präzisiert: «Dem Vorstand des FC Staad ist es in erster Linie wichtig, dass die Mitglieder und Gäste geschützt werden und sich auch in einem geschützten und kontrollierten Umfeld im Verein bewegen können. Und den besten Schutz bietet erwiesenermassen die Impfung, weshalb wir hier auch an das Verantwortungsbewusstsein und die Solidarität appellieren. Dementsprechend werden wir unsere Helfereinsätze verantwortungsbewusst planen.»

Widnau-Präsident Kuno Jocham wünscht sich, dass wieder vermehrt über Fussball gesprochen wird Bild: Ulrike Huber

Auch der FC Widnau hat eine glasklare Haltung: «Gemäss den Vorgaben gewähren wir ebenfalls nur mit 3G Zutritt ins Clubrestaurant. Der Aussenbereich ist frei zugänglich. Hier gelten nach wie vor die Eckdaten unseres Schutzkonzeptes,» so der Präsident des FC Widnau, Kuno Jocham.

Aus gesellschaftlicher Sicht sieht auch Jocham die Sache kritisch: «Jemanden «auszugrenzen», weil er sich aus persönlicher Sicht nicht impfen lassen will, entspricht nicht den Grundsätzen eines Vereinslebens. Doch als Verein müssen auch wir uns an die Vorgaben des Bundes halten. Helfer ohne Zertifikat müssen bei uns eine Maske tragen. Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen und Massnahmen. Entsprechend richten wir unser Handeln danach aus.»

Zum Abschluss spricht der Widnau-Präsident aus, was vermutlich aktuell alle Rheintaler Fussball-Funktionäre beschäftigt: «Vor allem hoffen wir, dass es wieder vermehrt um den Fussball geht und sich nicht alles um die omnipräsente Covid-19 Thematik dreht.»

Sicher ist: Die Zertifikatspflicht in den Clubheimen stellt die Vereine vor neue und zusätzliche Herausforderungen. Vor allem die Kontrollpflicht stösst vielen Vereinen sauer auf. Lässt man künftig Mitglieder, die nach dem Training an der Wärme noch etwas trinken wollen, tatsächlich draussen stehen? Menschlich und im Kontext des Vereinslebens äusserst herausfordernd. 

 

rheintal24