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01.12.2020

UN brauchen Milliarden für Nothilfe

ARCHIV - Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass 235 Millionen Menschen Unterstützung brauchen - ein Anstieg von 40 Prozent innerhalb eines Jahres. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
International – Immer mehr Katastrophen und Konflikte und nun auch das Coronavirus - das stürzt weltweit so viele Menschen in Not wie nie zuvor.

Es drohten sogar neue Hungersnöte, warnte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Dienstag in Genf bei Vorlage erster Pläne fürs nächste Jahr. Dabei habe man gedacht, solche Katastrophen gehörten endgültig der Vergangenheit an.

Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass 235 Millionen Menschen Unterstützung brauchen - ein Anstieg von 40 Prozent innerhalb eines Jahres. Vor einem Jahr gingen die UN von 168 Millionen Bedürftigen aus, im Jahr zuvor von 146 Millionen. Die 2021 geplanten UN-Programme zur Versorgung mit Nahrungsmitteln, Zufluchtsorten und medizinischer Hilfe kosten zusammen 35 Milliarden Dollar (gut 29 Mrd. Euro).

Das UN-Nothilfebüro (OCHA) macht die Tragweite der Not mit einem Vergleich anschaulich: Wenn alle Notleidenden in einem einzigen Land lebten, wäre dies nach Einwohnern der fünftgrösste Land der Welt.

"Konflikt, Klimawandel und Covid-19 sorgen für die grösste humanitäre Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Er bat um weitere Spenden. Die Weltgemeinschaft müsse mehr daran arbeiten, die Ursachen von Konflikten und Katastrophen zu bekämpfen. Der Klimawandel sorgt für mehr Brände, Überschwemmungen und heftigere Stürme. Zudem facht er Konflikte an, wenn Menschen sich um Ressourcen streiten müssen.

"Ich beschwöre alle Konfliktparteien und diejenigen, die auf sie Einfluss haben, meinen Aufruf zu einen weltweiten Waffenstillstand bis Ende dieses Jahres zu unterstützen", sagte Guterres.

Die Vereinten Nationen wollen nächstes Jahr 160 Millionen Menschen in 56 Ländern helfen. Um die anderen müssten sich Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz kümmern. Dieses Jahr lag der UN-Bedarf nach mehreren Ergänzungen auch wegen der Corona-Pandemie bei fast 39 Milliarden Dollar. Davon kam erst rund die Hälfte zusammen.

"Die Ergebnisse von Jahrzehnte langer Entwicklung sind durch das Coronavirus umgestossen worden", so die UN. Erstmals seit den 1990er Jahren werde die Zahl der Menschen steigen, die extrem arm seien. Die Lebenserwartung werde in vielen Ländern fallen.

Nicht nur das Virus selbst, sondern vor allem die Folgen hätten die Länder getroffen: Schliessung des Geschäftslebens, tiefste globale Rezession seit den 1930er Jahren, höhere Lebensmittelpreise, wegfallende Einkommen, Rückgang von Überweisungen von Verwandten im Ausland, unterbrochene Impfprogramme für Krankheiten wie Masern und Schulschliessungen.

Hilfsorganisationen verwiesen darauf, dass es schwieriger wird, Bedürftige zu erreichen. Konflikte und bürokratische Hürden machten die Verteilung von Hilfsgütern immer schwieriger, berichteten Oxfam und andere Organisationen. Allein im Jemen stieg die Zahl der Bedürftigen in schwer erreichbaren Regionen von fünf auf 19 Millionen. Die UN appellierten an Staaten, Waffenverkäufe an Kriegsparteien zu stoppen, wenn davon auszugehen sei, dass diese Völkerrecht verletzen.

Keystone-SDA