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Wirtschaft
18.10.2020

Spenden wie Bill Gates

Sonja Dinner: Spenden zur Sicherung von Arbeitsplätzen (Bild: Geri Born)
Sonja Dinner: Spenden zur Sicherung von Arbeitsplätzen (Bild: Geri Born) Bild: zVg
Die Rheintalerin Sonja Dinner will mit ihrer neuen Stiftung «Solidarité Suisse» wegen der Corona Pandemie eine nationale Welle der Solidarität auslösen.

Durch die Stiftung «Solidarité Suisse», die Sonja Dinner ins Leben gerufen hat, sollen etwa Menschen und Firmen, die durch Covid-19 in Not geraten sind, unterstützt werden. Die frühere IT-Unternehmerin aus Sennwald ist seit rund 14 Jahren als Präsidentin verschiedener Stiftungen und Hilfswerke im Bereich Bildung und im Konzipieren verschiedenster Arbeitsmodelle aktiv, die hauptsächlich in den ärmsten Ländern liegen. Jetzt engagiert sie sich für KMU in der Schweiz – wegen Corona.

Ihre weltweit 145 Projekte sollen vor allem jenen ein besseres Leben ermöglichen, die sonst unbeschützt wären: Frauen, Kinder, Behinderte. Deshalb ist Sonja Dinner überzeugt, zusammen mit Branchenverbänden und Organisationen in der Schweiz innovative Modelle und Arbeit für viele, die durch Covid-19 in wirtschaftliche Not geraten sind, zu generieren. «Solidarité Suisse» wird im Gegensatz zu Dinners 2006 gegründeten DEAR Foundation ausschliesslich in der Schweiz helfen. Dinner ist sich absolut sicher, durch ihre langjährige weltweite Erfahrung unter schwierigsten Bedingungen (Korruption, Kriege, Armut, Hunger) auch Menschen in der Schweiz mit Ausbildung und Umschulung zu einem wirtschaftlich unabhängigen Leben zu verhelfen.

Sonja Dinner, was gab den Ausschlag, dass Sie mit «Solidarité Suisse» eine Stiftung gegründet haben, die sich um notleidende Menschen und KMU in der Schweiz kümmert?

Ich bin durch und durch Unternehmerin und weiss, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Da plötzlich tausende von Menschen oder KMU in manchen Branchen keine Chance mehr haben zu überleben, wollen wir ihnen helfen, auf zukunftsträchtige Berufe und Branchen zu setzen. Immer nach dem Grundsatz: Es gibt keine unwürdige Arbeit – für niemanden!

Dann reichen die Massnahmen, die Bund und Kantone für unsere Wirtschaft eingeleitet haben, nicht aus?

Nein.

Von den bis zu 40 Milliarden Franken, die der Bund als Covid-Kredite zur Verfügung stellen wollte, wurden aber gerade mal 16,6 Milliarden abgerufen. Braucht es da noch eine Stiftung, die sich um unsere KMU kümmert?

Leider ja: Viele KMU sind in Sachen Buchhaltung und Liquiditätsplanung nicht sehr weitsichtig und fühlen sich wohl, solange sie die Löhne bezahlen können. Strategisches Denken und Planung haben durch den Druck bei den KMU oft zu wenig Bedeutung.

Sie selber kommen aus dem Rheintal und wissen, dass es gerade Ostschweizer Unternehmern manchmal schwerfällt, um Hilfe zu bitten. Was macht Sie zuversichtlich, dass Ihr Angebot auch angenommen wird?

Wer bisher ehrliche Arbeit geleistet hat, braucht sich in dieser Krise nicht zu schämen, sinnvolle Hilfe anzunehmen. Wer sich der Arroganz hingibt, dass er in einer solchen Krise unverwundbar ist, ist entweder extrem gut gepolstert oder naiv.

Wie stellen Sie sicher, dass nur Firmen in den Genuss Ihrer Unterstützung kommen, die auch wirklich darauf angewiesen sind – und die auch «überlebensfähig» sind?

Die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle sowie alle üblichen Eckdaten einer Finanzierungsüberprüfung werden genau geprüft. Boni, Tantiemen und andere Reminiszenzen aus den guten Tagen werden sicher nicht unterstützt. Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf der längerfristigen Erhaltung der Arbeitsplätze.

Damit Geld verteilt werden kann, muss es erst vorhanden sein. Wer soll Ihre Stiftung äufnen?

Jeder Mitbürger, der spenden kann. Das gilt für normalverdienende Menschen und auch für extrem wohlhabende, die den sozialen Frieden in der Schweiz bewahren wollen. Die Vorstellung, dass die Ultra-Reichen sich auch in der Schweiz nur noch hinter Hochsicherheitssystemen in ihren Villen bewegen können, weil es auf den Strassen wegen der massiv zunehmenden Armut zu Übergriffen kommt, wäre furchtbar. Diese Zustände kenne ich aus Südamerika, Afrika und Asien. Da ist es nicht einmal schön, Milliardär zu sein, weil man in permanenter Gefahr lebt.

Meine Mutter hat immer gesagt «von den Reichen lernt man sparen». Was macht Sie zuversichtlich, dass diese Ultra-Reichen an Ihre Stiftung spenden?

Bill Gates ist für viele ein grosses Vorbild. Und das Bewusstsein, dass sich Solidarité Suisse für unsere Kinder und Nachkommen für eine erhaltenswerte Schweiz einsetzt. Da wir unternehmerisch funktionieren und nur Projekte unterstützen, die wir auch mit unseren privaten Mitteln unterstützen würden, wissen unsere Spender, dass wir aus ihren Spenden den grösstmöglichen Nutzen herausholen. Und die Verwaltungskosten werden von unseren anderen Stiftungen aus eigenem Vermögen bezahlt.

Und welchen Vorteil hat ein Spender davon?

Er nimmt seine moralische Verantwortung als Bürger eines wunderbaren Landes wahr.

Wie kann ich Spender werden?

Unter solidaritesuisse.ch mit Spendenquittung oder via normale Banküberweisung.

Jetzt unterstützen Sie nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen, beispielsweise fördern Sie Kinder mit Bildungslücken wegen Covid-19, die Einrichtung von Ausbildungsplätzen in handwerklichen Berufen oder die Umschulung von Ü-50-Personen. Wo ist der gemeinsame Nenner?

Wir unterstützen Private, die unverschuldet in wirtschaftliche oder soziale Not geraten sind und die nachweislich bereit sind, ihre persönliche Situation zu verbessern und eine angemessene Eigenleistung beizusteuern. Unsere Unterstützung soll diese Privatpersonen und Familien befähigen, in ein intaktes soziales Umfeld zurückzufinden und ihre berufliche Situation wieder so zu stabilisieren, dass sie eine sichere Existenzgrundlage zurückgewinnen. Bei KMU wollen wir nachhaltig wirken und dazu beitragen, dass sie ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zurückerlangen und dadurch Arbeitsplätze sichern und schaffen können.

Gibt’s schon erste Erfolgsmeldungen?

Ja, wir haben beispielsweise bereits eine Unterstützungsvereinbarung mit dem Schweizerischen Marktverband abgeschlossen. Wir finanzieren die Benützung von privaten Grundstücken, damit die Marktfahrer selber Märkte realisieren können, nachdem viele Gemeinden Märkte auf öffentlichem Grund wegen Corona nicht zulassen. Oder wir engagieren uns beim schweizweiten Projekt «Lift», das Jugendliche unterstützt, sich auf das Berufsleben vorzubereiten, indem sie in ihrer Freizeit bezahlte Einsätze in kleineren Unternehmen absolvieren können.

Weiter ist eine Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz in Vorbereitung …

Ja, das Projekt «Gesundheit», um viele tausend Ü-50-Arbeitslose, die sich für die Betreuung von Langzeitpatienten in Krankenhäusern und Heimen eignen, umzuschulen. Dies mit zweiseitigem Nutzen: Einerseits erfahren Langzeitpatienten in ihrem oft tristen Alltag mehr zeitintensive Zuwendung, die das medizinische Personal aufgrund massivem Druck nicht leisten kann, und andererseits erhalten viele reifere Menschen die Möglichkeit zu einer Umschulung, anstatt nutzlos zu Hause zu sitzen und selbst in Depressionen zu verfallen.

Stephan Ziegler/leaderdigital.ch