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Altstätten
14.05.2022
14.05.2022 08:37 Uhr

1912 ernsthaft diskutiert: Per Bahn von Altstätten auf den Säntis

Per Bahn von Altstätten auf den Säntis: Eine Zugskomposition im Bahnmuseum in Wasserauen dokumentiert eindrücklich die damalige Vision einer entsprechenden Bahnverbindung.
Per Bahn von Altstätten auf den Säntis: Eine Zugskomposition im Bahnmuseum in Wasserauen dokumentiert eindrücklich die damalige Vision einer entsprechenden Bahnverbindung. Bild: Peter Eggenberger
Zur Belebung der vom Aus bedrohten Bahnlinie Altstätten Gais wurde im Rheintaler vom 10. Mai die Idee einer Bahn-Durchmesserlinie von Altstätten via Gais nach St. Gallen ins Spiel gebracht. Der Vorschlag erinnert an ein vor über hundert Jahren diskutiertes Grossvorhaben: Eine direkte Bahnverbindung von Altstätten hinauf zum Säntisgipfel.

1911 wurde die Bahn von Altstätten nach Gais eröffnet, nachdem bereits vorher die Linien nach St. Gallen (1899) und Appenzell (1904) betriebsbereit waren. 1912 wurde die von Appenzell nach Wasserauen führende erste Etappe der «Säntis-Bahn» eröffnet. Dem Beispiel der 1912 eröffneten Jungfraubahn wollten Innerrhoder Bahnpioniere eine schienengebundene Bahn zum Säntis realisieren. Damit wäre von Altstätten aus der markante Ostschweizer Gipfel mit Umsteigen in Gais und Appenzell per Bahn erreichbar gewesen. Wäre, denn die fortsetzende Bahn ab Wasserauen via Seealpsee und Meglisalp liess sich nie verwirklichen.

Luftseilbahn bevorzugt

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914) liess das Säntis-Bahnprojekt in tiefen Schubladen verschwinden. Nach Kriegsende erwuchs dem Innerrhoder Vorhaben ernsthafte Konkurrenz durch eine Luftseilbahn auf den Säntis, zumal sich die entsprechende Technik von Bregenz auf den Pfänder (eröffnet 1927) bestens bewährte. 1935 war es so weit, und die Schwebebahn Schwägalp – Säntis wurde eröffnet. Das bedeutete zugleich das Aus für die Säntis-Bahn ab Wasserauen. Trotzdem aber blieben die Wagen bis Anfang der 1950er Jahre stolz mit «Säntis-Bahn» beschriftet.

Belebung der Altstätten-Gais-Bahn

Während es in der Hauptgasse von Appenzell täglich von Touristen wimmelt, bleibt es in den malerischen Gassen von Altstätten viel zu häufig still. In Innerrhoden Ferien verbringende Gäste aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland streben bekannten Ausflugszielen zu, wobei vor allem pfannenfertige Vorschläge gefragt sind. «Handeln statt jammern» ist im Interesse des Erhalts der Stoss-Bahn das Gebot der Stunde. Warum also nicht eine preiswerte, die Bahn und das sehenswerte Städtchen Altstätten belebende Tageskarte kreieren, welche die romantische Hin- und Rückfahrt Appenzell – Gais - Altstätten sowie einen Kaffee-und-Kuchen- oder Zvieriaufenthalt in einem der vielen Altstätter Restaurants beinhaltet? In Zusammenarbeit von Bahn, Gastronomen, Stadtrat und all den Standort Altstätten fördernden Institutionen müsste das möglich und auch finanzierbar sein.

Peter Eggenberger