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12.05.2022

Phosphorbomben aus Bodensee geborgen

Die alten Fliegerbomben wurden vorsichtig aus dem Bodensee entfernt
Die alten Fliegerbomben wurden vorsichtig aus dem Bodensee entfernt Bild: KMBD
In den letzten Tagen mussten vor Friedrichshafen wieder Kampfmitteltaucher ausrücken, um vor dem Ufer im Bodensee gefundene Phosphorbomben zu bergen und zu entschärfen. Unter der Wasseroberfläche lauern noch viele Sprengsätze.

Friedrichshafen, im April 1944. Alliierte Bomberstaffeln flogen über Friedrichshafen und setzten ihre tödliche Fracht ab. Am 28. April 1944  attackierten alliierte Kampfflugzeuge die Zeppelinstadt, warfen insgesamt 185.000 Brandbomben, 580 Sprengbomben und 170 Luftminen ab. Der Grund: In Friedrichshafen waren Unternehmen wie Dornier, Luftschiffbau, Maybach und die Zahnradfabrik angesiedelt. Sie stellten Panzer, Flugzeuge und Raketenanteile für die Kriegsmaschinerie der Nazis her.

Weisser Phosphor und Kautschuk

Bei den Brandbomben handelte es sich um Phosphorbomben, die ein Gemisch aus weissem Phosphor und Kautschuk enthalten. Kommt Weisser Phosphor mit Luft in Verbindung, entzündet er sich und oxidiert zu Phosphorpentoxid. Die chemische Reaktion produziert eine bis zu 1300 Grad Celsius heisse Flamme. Zudem entsteht dichter, weisser Rauch.

Auf der Haut verursacht der Stoff schmerzvolle und schwere Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Die Chancen auf eine Heilung sind schlecht. Der Einsatz solcher Waffen gegen Zivilpersonen ist laut den Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 wegen der verheerenden Wirkung verboten – der Einsatz im Allgemeinen allerdings nicht.

Mehrere Nächte lang sah man vom Schweizer Ufer aus, wie die Stadt Friedrichshafen brannte Bild: zeitzeugnisse.ch

Tagelang konnte Brand beobachtet werden

Friedrichshafen brannte tagelang, was gerade aus dem Appenzeller Vorderland gut zu beobachten war. Und Friedrichshafen wie auch der gesamte Bodenseeraum hat bis heute ein Problem mit diesen Bomben. Nämlich mit den Blindgängern, die im See niedergegangen sind. Und bis heute Gefahr verbreiten. Nicht nur durch Explosionsgefahr, sondern auch durch die Möglichkeit der Durchrostung und der folgenden Verseuchung des Wassers.

Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei hatten vor wenigen Tagen bei einer Bootsstreife nahe des Ufers im flachen Wasser einen verdächtigen Gegenstand am Grund des Bodensees entdeckt. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie lag in zwei bis drei Metern Wassertiefe auf dem Seegrund. Taucher suchten daraufhin den Bereich grossflächig ab, so die Wasserschutzpolizei, wobei sie eine weitere, rund 60 Zentimeter lange Phosphorbrandbombe entdeckten.

Abtransportiert und entsorgt

Beide Bomben wurden fachgerecht geborgen, vom Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert und entsorgt. Es gab weder Detonationen noch Verletzte. Die Polizei weist jedoch darauf hin, dass der hochentzündliche Phosphor in den Bomben auch nach der langen Liegezeit immer noch eine grosse Gefahr darstellt. Ausgetretene Phosphorbrocken könnten im Wasser an Bernstein erinnern, würden sich aber beim Kontakt mit Sauerstoff innerhalb kürzester Zeit selbst in Brand setzen. Die Polizei warnt deshalb ausdrücklich davor, solche Funde ohne Fachkenntnis an Land zu bringen, dies sei lebensgefährlich.

rheintal24/gmh/uh